Zum Inhalt springen
Forte Logo
  • Thema
  • News
    • Veranstaltungskalender
      • Veranstaltung anlegen
  • Praxis
    • Musizieren
    • Dirigieren
  • Vereinsmanagement
    • Vorstandswissen
    • Jugendarbeit
    • ComMusic
  • Verband & Vereine
    • Bläserakademie
    • Bläserjugend
    • Landesblasorchester
    • Alphornbläser
    • Kreisverbände und Verein
  • Ausgaben
    • Aktuelle Ausgabe
    • Ausgaben-Archiv
FORTE September / Oktober 2025, Thema

Optimale Rahmenbedingungen schaffen und Emotionen lenken

Björn Bus
15. September 2025
Titelbild: Wer dirigiert, muss seine eigenen Emotionen kontrollieren können, um ideale Rahmenbedingungen für das Orchester zu schaffen.
Foto: Amir Kaufmann

Wer musiziert bzw. dirigiert, ist oftmals damit beschäftigt, Partituren zu studieren, technische Passagen zu üben oder Probepläne zu erstellen. Man arbeitet also sehr handwerklich. Das ist nachvollziehbar, denn natürlich ist Planung wichtig. Umso bedeutender ist es für Björn Bus, den Dirigenten des Landesblasorchesters Baden-Württemberg, sich immer wieder seine eigentliche Aufgabe bewusst zu machen und darauf hinzuarbeiten.

Unsere Aufgabe ist es, Emotionen zu kommunizieren – sowohl innerhalb des Orchesters, vor allem aber gegenüber dem Publikum. Für mich ist dieser Gedanke so wichtig, dass er zu einer zentralen Philosophie geworden ist und meine Arbeit prägt. Aus diesem Ansatz heraus möchte ich gedankliche Impulse beschreiben, die für mich in meiner Arbeit mit dem Landesblasorchester Baden-Württemberg und anderen professionellen Orchestern immer wieder von Bedeutung sind.

Aufgabe des Dirigenten

Damit die Kommunikation von Emotionen gelingen kann, müssen zunächst die idealen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das bedeutet handwerkliches Arbeiten am Werk, um eine solide Grundlage zu schaffen. Intonation, Balance, Phrasierung, sauberer Rhythmus – all diese musikalischen Parameter können Barrieren oder Störfaktoren darstellen, die die Kommunikation beeinträchtigen. Das ist logisch, denn es ist kaum möglich, mit einem schlecht intonierten Akkord Gänsehaut zu erzeugen. Selbstverständlich geht es bei der musikalischen Erarbeitung jedoch nicht nur darum, Störfaktoren zu beseitigen, sondern auch darum, eine musikalische Idee zu entwickeln, die stimmig ist und vom Orchester verstanden wird.

Ebenso wichtig für die Schaffung optimaler Rahmenbedingungen ist die Herstellung eines Kontextes zum Werk. Anders ausgedrückt: Storytelling. Was erzählt das Werk? Welche Idee hatte der Komponist oder die Komponistin? Zu welcher Zeit und unter welchen Umständen ist es entstanden?

Mir ist es wichtig, bereits vor der ersten Probe ein paar Sätze zum Werk zu sagen – allerdings keinen langen Monolog zu halten, sondern vielmehr während der Probenarbeit und im Verlauf der gesamten Arbeitsphase Schritt für Schritt einzelne, wesentliche Fragmente der Geschichte oder des Kontextes zu vermitteln. Das ist deutlich effizienter, da sich die Musikerinnen und Musiker ohnehin bereits intensiv mit dem Werk auseinandergesetzt haben und den Input so auf einer anderen Ebene verstehen können.

Die richtige Balance zwischen rein musikalischer Arbeit und Storytelling ist dabei entscheidend. Als Dirigent ist es wichtig, sich immer wieder die Frage zu stellen, ob die Gestaltung der Probe effizient war und ob sie dem Ziel diente, Emotionen zu kommunizieren.

Langfristige Ziele als Teil der Identifikation

Was zunächst wie eine reine Managementaufgabe klingt, erweist sich in der Realität als deutlich vielschichtiger. Langfristige Ziele zu setzen, schafft ein gemeinsames Verständnis, stärkt den Zusammenhalt und motiviert dazu, sich kontinuierlich zu verbessern. Besonders hervorheben möchte ich dabei den kulturellen Aspekt: Eine gute und wertschätzende Kultur wirkt sich unmittelbar positiv auf das musikalische Ergebnis aus.

Wichtig ist bei langfristiger Planung jedoch auch, dass ein klarer Weg zum Ziel definiert wird – ein Weg, den alle gemeinsam gehen. So haben wir mit dem LBO vor einigen Jahren den Weg „Road to WMC 2017“ festgelegt, mit den Zwischenzielen WABSE-Konferenz 2015 in San José, ECWO 2016 in Utrecht und CD-Aufnahme „Klangbilder“ als Vorbereitung. Dieser langfristige Prozess hat uns sehr zusammengeschweißt und gleichzeitig das Niveau des Orchesters deutlich angehoben.

Diese Planung war spezifisch auf uns zugeschnitten. Andere Orchester oder Vereine müssen ihren eigenen Weg finden – und dieser kann natürlich ganz anders aussehen.

Dirigenten müssen sehr gute Antennen haben – nicht nur für Musik

Dirigentinnen und Dirigenten können mit dem, was sie sagen und wie sie wirken, enormen Einfluss auf die Musikerinnen und Musiker sowie das Orchester ausüben. Es ist wichtig, sich dieser Verantwortung stets bewusst zu sein. Passiert etwas vor dem Konzert, beispielsweise mit der Logistik, der Technik oder steckt der Orchesterbus im Stau, muss die Situation antizipiert werden, es müssen Lösungen geschaffen werden und durch Kommunikation und Wirkung muss das Orchester wieder in eine positive Haltung überführt werden. Vermutlich ist der Begriff Künstlerischer Leiter in diesem Kontext der bessere, denn der Dirigent hat die Gesamtverantwortung. Dies erfordert eine lösungsorientierte Haltung und auch eine gewisse Resilienz, denn unvorhergesehene Dinge passieren immer wieder.

Doch auch wenn alles reibungslos verläuft, kommt es in der Vorbereitung auf ein Konzert oder in der Anspielprobe darauf an, die richtigen Worte zu wählen und damit eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Im Grunde geht es auch hier um die Schaffung optimaler Rahmenbedingungen – diesmal jedoch weder rein musikalisch noch im Sinne des Storytellings, sondern durch aufgreifen der speziellen Situation.

Kontrolle behalten und Kontrolle abgeben

Ich habe nun viel zur Vorbereitung und zu Rahmenbedingungen gesagt, denn das Potenzial, dass die Kommunikation von Emotionen stattfindet, muss erarbeitet werden. Dennoch kann und muss die Dirigentin oder der Dirigent auch während des Konzerts bestimmte Dinge beeinflussen.

Häufig ist zu beobachten, dass sich viele Dirigierende während des Konzerts den Emotionen hingeben, größer und anders dirigieren als in den Proben und dadurch unpräziser werden – oder das Orchester durch ihre Wirkung über bestimmte Grenzen hinausführen. Es ist selbstverständlich menschlich und nachvollziehbar, dass in einer Konzertsituation die eigenen Emotionen intensiver wirken und man diese auch zeigen möchte. Bis zu einem gewissen Punkt ist das sogar förderlich für die Kommunikation mit den Musikerinnen und Musikern.

Dennoch gilt: Das oberste Ziel ist, dass das Publikum Emotionen empfindet. Ein zu exponiertes Dirigat, das überraschend, unpräzise oder gar musikalisch nachteilig wirkt, ist dafür kontraproduktiv. Die Dirigentin bzw. der Dirigent muss seine eigenen Emotionen kontrollieren können, damit die Rahmenbedingungen für das Orchester optimal bleiben. Der niederländische Dirigent Bernard Haitink hat es prägnant formuliert: „Das Publikum muss weinen, nicht der Dirigent.“

Diese Art von Kontrolle gilt ebenso für die Musizierenden. In den Proben sage ich oft: „Mit dem Herzen spielen und mit dem Kopf fühlen.“ Damit meine ich, dass das Musikalische trotz aller Emotionen nicht aus dem Ruder laufen darf. Wichtig ist mir an dieser Stelle klarzustellen: Es geht nicht darum, jedes Detail musikalisch zu kontrollieren, sondern vielmehr darum, die Grenze nicht zu überschreiten, an der die eigenen Emotionen das musikalische Ergebnis spürbar beeinträchtigen.

Oftmals entsteht emotionaler Austausch gerade dann, wenn unerwartete Dinge passieren. Vielleicht spielt die Solistin eine Passage etwas langsamer, vielleicht setzt der Saxofonsatz leiser ein als gewohnt, vielleicht ist das Schlagwerk aktiver und zieht alle mit. Auch hier gilt es, Antennen zu haben, um entscheiden zu können, ob diese neue Story besonders ist, vielleicht sogar besser ist als in den Proben, oder wie ich als Dirigent eingreifen kann. So oder so, ich muss die Situation antizipieren. Genau deshalb ist es so wichtig, die eigenen Emotionen zu kontrollieren: Nur so kann ich die Freiheit geben, aus der etwas Einzigartiges entstehen kann – das Publikum spürt das.

Emotionen kommunizieren

Die Kommunikation von Emotionen ist etwas sehr Schönes und Besonderes – und sie ist im Wesentlichen unsere zentrale Aufgabe als Musizierende, als Orchester und eben auch als Dirigenten. Musikalisches Arbeiten, Methoden, Kommunikation und all das, was zu meinem Beruf gehört, haben letztlich genau diesen Zweck: besondere Momente für das Publikum zu schaffen und Musik erklingen zu lassen, die Menschen berührt.

Björn Bus wurde 1980 in Brunssum (NL) geboren, wo seine musikalischen Wurzeln tief verankert sind. 2004 schloss er mit Auszeichnung sein Studium in Dirigieren am Konservatorium in Groningen mit einem Bachelor-Abschluss ab und studierte dort bei Alex Schillings. Im gleichen Jahr widmete er sich auch seinem Studium als Posaunist bei Harrie Ries am Konservatorium in Maastricht. 2010 beendete Björn Bus sein Masterstudium in Dirigieren ebenfalls mit Auszeichnung, unter der Leitung des international anerkannten Dirigenten Jan Cober am Konservatorium in Maastricht.

Derzeit ist Björn Bus als General Artistic Manager des World Music Contest (WMC) in Kerkrade tätig. Er dirigiert mehrere Orchester, darunter seit 2014 das Landesblasorchester Baden-Württemberg.

www.bjornbus.nl

Björn Bus

Foto: privat

Blasorchester, Dirigieren, Orchestermusik
Optimale Rahmenbedingungen schaffen und Emotionen lenken
zurück
Artikel drucken
  • Kontakt
  • Abonnement
  • Anzeigen
  • Impressum
  • Datenschutzerklärung
  • Privatsphäre-Einstellungen
    • Privatsphäre-Einstellungen ändern
    • Historie der Privatsphäre-Einstellungen
    • Einwilligungen widerrufen
  • Newsletter Anmeldung

© Redaktionsnetzwerk Amateurmusik | Die Zeitschrift des Blasmusikverbands Baden-Württemberg | Login

Page load link
0
X
X
Nach oben