Mit dem Kompositionswettbewerb „Donaueschingen 2.0“ wurden Komponistinnen und Komponisten eingeladen, neue Werke für sinfonisches Blasorchester zu schaffen, die deutsche Volkslieder, Folklore und Musiktraditionen aufgreifen. Das Landesblasorchester Baden-Württemberg (LBO) unter Leitung von Björn Bus wurde mit der Durchführung des Wettbewerbs und der Uraufführung der Siegerkomposition beauftragt. Diese findet am 18. April statt.
Im Jahr 1926 kamen bei den Donaueschinger Musiktagen auf Initiative von Paul Hindemith erstmals Werke zur Uraufführung, die eigens als „Gebrauchsmusik für Blasorchester“ geschrieben worden waren – ein ambitionierter Versuch, dem Amateur-Blasmusikwesen eine eigenständige Konzertliteratur zu geben. Komponisten wie Ernst Krenek, Ernst Toch, Ernst Pepping und Hindemith selbst schufen Werke, die bis heute als Meilensteine gelten. Durchsetzen konnten sie sich damals allerdings nicht: Die Musiksprache war zu avantgardistisch, die Anforderungen für Laienorchester zu hoch.
Genau 100 Jahre später knüpft der Blasmusikverband Baden-Württemberg an diese historische Initiative an – und geht bewusst einen anderen Weg. Das Vorbild für den Wettbewerb „Donaueschingen 2.0“: die erfolgreichen englischen Blasorchesterkomponisten des frühen 20. Jahrhunderts. Percy Aldridge Grainger, Ralph Vaughan Williams und Gustav Holst hatten mit Werken wie der „English Folk Song Suite“ oder „Lincolnshire Posy“ bewiesen, dass künstlerischer Anspruch und Zugänglichkeit kein Widerspruch sein müssen.
22-Jähriger überzeugt Jury
Aus einem großen Teilnehmerfeld ging der 22-jährige Frederik Abel als Sieger hervor. Der in Geldern geborene Multiinstrumentalist, der seit 2022 Komposition und Musiktheorie an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien studiert, überzeugte die Jury mit seinem Werk „Drei-Klänge der Heimat“. Darin verarbeitet er die Volkslieder „Viel Wollust mit sich bringet“, „Wenn ich ein Vöglein wär‘“ und „Guten Abend, Gute Nacht“ auf eine Weise, die Vertrautes neu erlebbar macht.
Das Werk zeichnet sich durch eine besonders frische Kompositionsweise und eine abwechslungsreiche Instrumentierung aus. Es schafft eine stimmige Verbindung aus alten und neuen Blasorchesterklängen – und zeigt, dass die Idee von Donaueschingen 2.0 aufgeht: anspruchsvolle, zeitgemäße Musik zu schaffen, die in der deutschen Musiktradition verwurzelt ist und zugleich die Möglichkeiten des sinfonischen Blasorchesters voll ausschöpft.
Uraufführung an historischem Ort
Am 18. April 2026 wird „Drei-Klänge der Heimat“ in Donaueschingen vom LBO uraufgeführt – an jenem Ort also, an dem vor 100 Jahren alles begann. Das Konzertprogramm des ersten Halbjahres rahmt die Uraufführung mit weiteren Werken ein, die europäische Blasmusiktradition und -vielfalt spiegeln: von Philip Sparkes „Jubilee Overture“ über Jules Strens‘ „Danse funambulesque“ bis zu Kevin Houbens „Resurrection“ und Serge Lancens „Symphonie de Paris“. Den Abschluss bildet Johan de Meijs „Echoes of San Marco“.
Konzerttermine und Reading Session
Nach der Uraufführung in Donaueschingen folgen Konzerte am 19. April in Schelklingen sowie am 20. und 21. Juni in Sinsheim und Plochingen. Am 9. Mai findet zudem in Plochingen eine Reading Session statt, bei der weitere eingereichte Kompositionen des Wettbewerbs vorgestellt werden.

