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FORTE Januar / Februar 2026, Thema

Eine Friedensmesse zum Volkstrauertag

Sophia Haid
20. Januar 2026

Zum Volkstrauertag setzte die Stadtkapelle Kirchheim unter Teck gemeinsam mit den Kirchenchören aus Kirchheim unter Teck und Nürtingen ein bewusstes musikalisches Zeichen. In zwei konzertanten Aufführungen in den jeweiligen Kirchen stand mit „The Armed Man: A Mass for Peace“ von Karl Jenkins ein Werk im Mittelpunkt, das sich explizit mit Krieg, Gewalt und der Fragilität des Friedens auseinandersetzt.

Die Friedensmesse, 1999 ursprünglich zum Gedenken an die Opfer des Kosovo-Kriegs komponiert, ist als Mahnung und zugleich als Hoffnungsträger gedacht. Sie stellt die Schrecken von Krieg ungeschönt dar und formuliert gleichzeitig eine universelle Botschaft von Frieden, Versöhnung und gemeinsamer Verantwortung.

programmatischer Rahmen: Frieden, Freiheit und Identität

Bereits die Programmgestaltung der Stadtkapelle machte deutlich, dass es an diesem Abend nicht nur um musikalische Unterhaltung im engeren Sinn ging, sondern um eine thematische Auseinandersetzung. Den Auftakt bildeten drei Werke der Stadtkapelle, die thematisch die Botschaft von Frieden, Freiheit und kultureller Identität einleiteten.

Karel Husas „Smetana Fanfare“ verweist auf die politische Geschichte des Komponisten und auf seine Erfahrungen im Zusammenhang mit der Niederschlagung des Prager Frühlings. Als Exilant in den USA verarbeitete Husa in diesem Werk seine tiefe Verbundenheit mit der tschechischen Kultur ebenso wie seine kritische Haltung gegenüber der politischen Entwicklung in seiner Heimat. Die Musik steht damit exemplarisch für kulturelle Identität, Freiheit und Widerstand gegen politische Unterdrückung.

John Rutters „Distant Land“ führt diesen Gedanken weiter, allerdings aus einer stärker innerlichen Perspektive. Das Werk spiegelt die Sehnsucht nach Freiheit und innerem Frieden wider und ist inspiriert von historischen Umbrüchen wie dem Fall der Berliner Mauer oder der Freilassung Nelson Mandelas. Auch hier wird Musik zum Resonanzraum politischer Ereignisse, ohne diese konkret abzubilden.

Mit David Maslankas „Hymn for World Peace“ schließlich weitete sich der Blick auf eine globale Ebene. Das Werk entfaltet eine musikalische Reise von innerer Unruhe zu Harmonie und Frieden und vermittelt universell die Hoffnung nach Frieden in der ganzen Welt.

Ein Projekt mit Vorlauf und zeitloser Aktualität

Im Zentrum des Abends stand jedoch Karl Jenkins’ Friedensmesse, die Chor, Orchester und Publikum gleichermaßen forderte. Die Idee zur Aufführung dieses großformatigen Werks entstand bereits vor rund zwei Jahren. Ausgangspunkt war der Wunsch, gemeinsam mit dem Kammerchor der Martinskirche ein größeres musikalisches Projekt zu realisieren. Da „The Armed Man“ eine entsprechend große Chorbesetzung erfordert, konnte zusätzlich die Kantorei aus Nürtingen für das Projekt gewonnen werden. Ein konkretes politisches Ereignis war dabei nicht der Auslöser. Vielmehr entwickelte sich das Vorhaben aus dem gemeinsamen künstlerischen Interesse an diesem Werk und seinem zeitlosen Friedensgedanken.

Gerade in der heutigen Zeit erhält eine Friedensmesse jedoch eine besondere Bedeutung und Aktualität. Angesichts weltweiter Konflikte, gesellschaftlicher Spannungen und zunehmender Polarisierung erinnert „The Armed Man“ eindringlich daran, wie zerbrechlich Frieden ist.

Jenkins verbindet lateinische Messtexte mit historischen und zeitgenössischen Quellen und schafft so eine musikalische Collage, die Krieg als menschliche Erfahrung über Zeiten und Kulturen hinweg sichtbar macht. Im Rahmen des Volkstrauertags eröffnete dieses Werk die Möglichkeit, über das reine Gedenken hinauszugehen und den Blick auf Verantwortung, Versöhnung und Hoffnung zu richten.

Musik als gesellschaftliche Stellungnahme

Die Stadtkapelle versteht Musik in diesem Zusammenhang nicht als parteipolitisches Instrument, wohl aber als gesellschaftliche Stellungnahme. „Mit der Friedensmesse wollten wir sowohl dem Publikum als auch uns selbst eine klare Botschaft vermitteln: Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, sondern erfordert Bewusstsein, Verantwortung und aktives Handeln“, erklärt Marc Lange, Stadtmusikdirektor der Stadtkapelle Kirchheim unter Teck. Die Musik konfrontiert mit den Schrecken von Krieg, ohne einfache Antworten zu liefern und öffnet zugleich Räume für Hoffnung und Versöhnung.

Für die Musikerinnen und Musiker bedeutete die intensive Beschäftigung mit dem Werk auch eine persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle als Kulturschaffende. Musik wurde hier nicht nur als ästhetisches Erlebnis verstanden, sondern als Möglichkeit, Haltung zu zeigen und Impulse in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen.

zwischen Ergriffenheit und Irritation

Dass diese Haltung beim Publikum ankam, zeigte sich deutlich in den Reaktionen während und nach den Konzerten. „Als Musikerin im Orchester kann ich berichten, dass die Stimmung im Publikum während der Messe unglaublich war. Man hat richtig gespürt wie berührt und ergriffen die Menschen waren“, erzählt Livia Gööck, die Geschäftsführende Vorsitzende der Stadtkapelle.

Gleichzeitig gab es auch Momente der Irritation, insbesondere beim Erklingen des Muezzin-Rufs, der als Teil der Friedensmesse von „The Armed Man“ vorgesehen ist und von einem aus Stuttgart stammenden Grundschullehrer gesungen wurde. Diese musikalische Einbindung eines islamischen Gebets konfrontiert bewusst mit etwas Fremdem und Ungewohntem. Sie macht erfahrbar, dass Friedensarbeit auch das Aushalten von Verschiedenheit und das Öffnen gegenüber anderen kulturellen und religiösen Ausdrucksformen einschließt.

Jenkins nutzt hier interkulturelle Elemente nicht provokativ, sondern als Einladung zur Offenheit und zum gegenseitigen Verständnis.

Dialog statt Polarisierung

Im Vorfeld der Aufführungen hatte sich das gesamte Ensemble intensiv mit der Friedensmesse, ihrem Inhalt und den bekannten Reaktionen bei anderen Aufführungen auseinandergesetzt. Umso bemerkenswerter war die Erfahrung, dass während und nach den beiden Konzerten ausschließlich positive oder konstruktiv kritische Rückmeldungen wahrgenommen wurden. Die Konzerte machten den Musikerinnen und Musikern deutlich, dass ein respektvoller Austausch über gesellschaftlich relevante Inhalte möglich ist, wenn Menschen sich direkt begegnen. Gerade im Kontrast zu oft zugespitzten Debatten im digitalen Raum wurde spürbar, dass viele Menschen ähnliche Ziele verfolgen und durchaus bereit sind, sich differenziert mit Themen auseinanderzusetzen.

Ein positives Beispiel für gesellschaftliche Haltung im Verein

Mit der Aufführung von „The Armed Man: A Mass for Peace“ hat die Stadtkapelle Kirchheim unter Teck eindrucksvoll gezeigt, wie Musik gesellschaftliche Verantwortung übernehmen kann. Nicht belehrend und nicht parteilich, sondern als offenes Angebot zum Nachdenken, zum Dialog und zur Auseinandersetzung mit Frieden als Aufgabe unserer Zeit.

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