Zur Jahrestagung 2026 kamen der Fachbeirat Musik und die Jurorinnen und Juroren des Blasmusikverbands Baden-Württemberg am 9. und 10. Januar im Musikzentrum Baden-Württemberg zusammen. Im Mittelpunkt standen die Weiterentwicklung der Wertungsspiele, Fragen der Juroreneinteilung sowie aktuelle verbandspolitische Themen.
Wie bleiben Wertungsspiele pädagogisch wertvoll und zugleich künstlerisch anspruchsvoll? Diese Frage prägte die Jahrestagung 2026. Bernd Biffar stellte die Statistik der Wertungsspiele 2025 vor. Besonders erfreulich ist der deutliche Zuwachs an Orchestern in Kategorie 3. Aufgrund der längeren Vortragszeiten wird hier künftig eine maximale Dauer von 40 Minuten angestrebt.
Inhaltlich soll das Angebot breiter werden: Neben der Konzertmusik sollen Wertungsspiele in den Bereichen Unterhaltungsmusik und Traditionelle Musik stärker in den Fokus rücken. Durch die Kooperation mit dem Allgäu-Schwäbischen Musikverband wird es ab 2026 zudem ein Stundenchorangebot auch für Kategorie 3 geben.
In der Diskussion wurde betont, dass Wertungsspiele ihren pädagogischen Kern bewahren müssen. Hinweise an das Dirigat sollen sensibel und möglichst im Vier-Augen-Gespräch erfolgen. Objektive Bewertungen setzen ein kollegiales und abgestimmtes Vorgehen innerhalb der Juryteams voraus.
Klare Richtlinien für die Juryarbeit
Die Einteilung der Jurorinnen und Juroren erfolgt weiterhin zentral durch Bernd Biffar; die Honorare übernimmt der Verband. Intensiv diskutiert wurde das professionelle Auftreten der Jury während der Vorträge. Bewertungen an Prädikatsgrenzen – etwa bei 89,8 oder 90,1 Punkten – sollen als bewusste pädagogische Entscheidung vertreten werden. Auch sehr hohe Bewertungen im Spitzenbereich müssen fachlich nachvollziehbar begründet sein; Detailkritik darf die Gesamtleistung nicht unverhältnismäßig schmälern.
Bei der Beurteilung von Stimmung und Intonation unter schwierigen Raumverhältnissen wurde ein differenzierter Erwartungshorizont je nach Kategorie vereinbart. Während in Kategorie 5 eine größere Anpassungsfähigkeit erwartet werden kann, ist in unteren Kategorien großzügiger zu bewerten. Insgesamt sollen die Umstände mit pädagogischem Augenmaß berücksichtigt werden.
Nach intensiver Beratung wurde zudem die Zulassung von Play-along- beziehungsweise MP3-Begleitungen bei Solovorträgen beschlossen. Eine altersabhängige Differenzierung wird geprüft.
Nachwuchsgewinnung als Zukunftsaufgabe
Ein zentrales Thema bleibt die Altersstruktur der Jurorenschaft. Der durchschnittliche Einsatz liegt derzeit bei unter zwei Wertungsspielen pro Juror und Jahr. Für neue Jurorinnen und Juroren wurde erneut auf den Zertifizierungskurs „Juror in der Blasmusik“ hingewiesen. Sebastian Volk berichtete von seinen positiven Erfahrungen an der Bläserakademie Baden-Württemberg. Die Kreisverbandsdirigenten wurden gebeten, gezielt geeignete Persönlichkeiten für diese Aufgabe anzusprechen.
BRAWISSIMO: Wettbewerb mit Signalwirkung
Erstmals wurde 2025 im Rahmen der BRAWO der Orchesterwettbewerb BRAWISSIMO durchgeführt. Teilnahmeberechtigt waren Orchester, die in den Jahren 2024 und 2025 in Stufe 3 die höchste Punktzahl in ihrem Kreisverband erzielt hatten. Damit knüpft der Wettbewerb unmittelbar an die Wertungsspielpraxis an und führt herausragende Leistungen auf eine überregionale Bühne.
Die Resonanz war durchweg positiv: Für die teilnehmenden Orchester bedeutete BRAWISSIMO nicht nur einen Leistungsvergleich auf hohem Niveau, sondern auch die Chance, sich vor internationaler Fachjury und Messepublikum zu präsentieren.
Der Wettbewerb soll 2027 fortgeführt werden, dann mit Fokus auf Orchester der Kategorie 4. Ziel ist es, leistungsstarken Ensembles zusätzliche Entwicklungsperspektiven zu eröffnen und die Durchlässigkeit zwischen Wertungsspiel und Wettbewerb weiter zu stärken.
Die BRAWO selbst wurde als Leuchtturmveranstaltung mit 140 Ausstellern, 50 Workshops und mehr als 30 Konzerten gewürdigt. 2026 steht die European Championship for Wind Orchestra im Mittelpunkt, zu der bis zu zwölf Spitzenblasorchester aus Europa erwartet werden. Für Deutschland wurde das Landesblasorchester Baden-Württemberg nominiert.
Digitalisierung, Ganztag und Ausbildung
Mit der Neukonzeption des PC-Jurors wird ein weiterer Schritt in Richtung Vereinfachung und Transparenz unternommen. In einem ersten Zwischenschritt soll die Bedienung deutlich erleichtert werden. Perspektivisch ist ein neues Programm geplant, das unter anderem Kurzviten der Jurorinnen und Juroren online zugänglich macht.
Darüber hinaus informierte die Tagung über aktuelle Entwicklungen im Ganztagsbereich sowie über die Arbeitstagung der Bläserjugend Baden-Württemberg zum Thema „Kindeswohl im Musikverein“. Ausbildungsangebote zu Gruppendidaktik und Rechtsgrundlagen werden über den Landesmusikverband in Kooperation mit dem VHS-Verband bereitgestellt.
Im Bereich der Dirigentenausbildung wurden die Kooperationen mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart vorgestellt. Rückmeldungen aus den Kreisverbänden zu bestehenden Dirigierformaten sollen helfen, Schnittstellen und Anerkennungen künftig klarer zu definieren.
Mit einem klaren Fokus auf Qualität, Transparenz und Nachwuchsförderung setzt der Fachbeirat Musik damit wichtige Impulse für die zukünftige Ausrichtung der Wertungsspiele und Wettbewerbe im Verband.
Wertungsspiele 2025 Veranstaltungen ingesamt
• Geplant: 19
• Durchgeführt: 17 (wie 2024)
Veranstaltungsarten
• Wertungsspiele: 5
• Jugendwertungsspiele: 11 (davon 2 abgesagt)
• Wertungs- und Jugendwertungsspiele: 3
