2025 war kein bequemes Jahr. Politisch nicht, gesellschaftlich nicht und für das Ehrenamt schon gar nicht. Die Erwartungen an staatliches Handeln waren hoch, die Ressourcen begrenzt, die Geduld vieler Menschen spürbar angespannt. Wer Verantwortung trägt, konnte sich nicht hinter Ankündigungen verstecken. Es ging um Verlässlichkeit im Alltag.
Im Rückblick zeigt sich: Baden-Württemberg hat getragen, weil seine gewachsenen Strukturen getragen haben. Kommunen, Vereine, Verbände und Ehrenamtliche haben oft leise, aber wirksam das geleistet, was Zusammenhalt wirklich bedeutet. Die Amateurmusik, insbesondere die Blasorchester und Musikvereine, war 2025 weit mehr als kulturelles Angebot. Sie war Begegnungsraum, Integrationsmotor und Ausdruck gelebter Heimat.
Gleichzeitig wurde deutlich: Bürokratie und Förderstrukturen passen immer weniger zur Realität des Ehrenamts. Wer abends probt, am Wochenende Konzerte organisiert und Verantwortung für junge Menschen übernimmt, braucht Unterstützung, die praktikabel ist, keine zusätzlichen Hürden. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber sie hat 2025 an Schärfe gewonnen.
2026 wird uns weiter fordern. Die Spielräume werden enger, der Ton rauer. Umso wichtiger ist es, Maß zu halten und Bewährtes nicht leichtfertig infrage zu stellen. Als Präsident des Blasmusikverbands Baden-Württemberg sehe ich klar: Musikvereine sind kein Beiwerk. Sie leisten kulturelle Bildung, stiften Gemeinschaft und übernehmen Verantwortung vor Ort.
Der Ausblick ist damit kein Versprechen auf leichte Lösungen, sondern auf einen klaren Kurs: Maß halten, Verantwortung übernehmen und dem Zusammenhalt den Stellenwert geben, den er verdient. Denn Zukunft entsteht dort, wo Menschen sich einbringen und Politik ihnen dafür den Raum lässt.
Guido Wolf MdL
Präsident Blasmusikverband Baden-Württemberg

