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FORTE Juli / August 2026, Thema

Musik tut gut – und Musizieren auch?

Sophia Haid
15. Juli 2026
Titelbild:
Copyright: Holger Bewersdorf

Wer singt, ein Instrument spielt oder gemeinsam mit anderen musiziert, erlebt oft ganz unmittelbar, wie positiv Musik auf das eigene Wohlbefinden wirkt. Tatsächlich stehen Musik und Gesundheit in einer engen Verbindung. Musik kann die Gesundheit fördern. Gleichzeitig braucht gesundes Musizieren Aufmerksamkeit für die eigene körperliche und seelische Verfassung.

Die erste Perspektive kennen viele Menschen aus eigener Erfahrung. Gemeinsames Musizieren schafft Zusammenhalt und stärkt soziale Bindungen. In Orchestern und Musikvereinen entstehen Begegnungen zwischen Generationen, Freundschaften und ein Gefühl der Zugehö-
rigkeit. „Gerade in einer Zeit, in der Einsamkeit und gesellschaftliche Spaltung häufig diskutiert werden, sind Vereine als Orte des Miteinanders von unschätzbarem Wert“, so Landesmusikdirektor Bruno Seitz.

Darüber hinaus fordert und fördert Musik den Menschen auf vielfältige Weise. Beim Singen und Instrumentalspiel arbeiten Konzentration, Wahrnehmung, Koordination und Emotionen eng zusammen. Musik aktiviert Körper und Geist gleichermaßen und wird deshalb längst nicht mehr nur als kulturelles Gut verstanden, sondern auch als wichtiger Beitrag zu Lebensqualität und Wohlbefinden. Seitz betont hier insbesondere die positive Wirkung des Musizierens bis ins hohe Alter hinein.

Gesund bleiben

Die Verbindung von Musik und Gesundheit hat jedoch noch eine zweite Seite. Wer musiziert, weiß, dass das gemeinsame Hobby auch Anforderungen mit sich bringt. Langes Sitzen oder Stehen, wiederkehrende Bewegungsabläufe, hohe Lautstärken, intensive Probenphasen oder Auftrittssituationen können körperliche und mentale Belastungen verursachen. Hinzu kommen oft organisatorische und ehrenamtliche Aufgaben, die zusätzlich Zeit und Energie beanspruchen.

Gesundes Musizieren geschieht deshalb nicht von selbst. Es braucht Wissen, Bewusstsein und geeignete Rahmenbedingungen. Gesundheit ist dabei nicht allein die Verantwortung jedes Einzelnen. Auch Vereine, Ensembles und Verbände können dazu beitragen, gesundheitsfördernde Bedingungen zu schaffen – von geeigneten Probenräumen über einen verantwortungsvollen Umgang mit Lautstärke bis hin zu einer Vereinskultur, in der Belastungen offen angesprochen werden können.

Louisa Eckl von der Stiftung Schloss Kapfenburg

Foto: Holger Bewersdorf

Das Projekt „gesundes Orchester“

Wie gesundheitsfördernde Ensemblearbeit konkret aussehen kann, zeigt das Projekt „gesundes orchester“ der Stiftung Schloss Kapfenburg, mit welcher der Blasmusikverband Baden-Württemberg eng zusammenarbeitet. Seit vielen Jahren beschäftigt sich die Stiftung intensiv mit Musikergesundheit und Prävention. „Musikerinnen und Musiker erbringen bei jeder Probe und jedem Konzert körperliche und mentale Höchstleistungen“, betont Louisa Eckl von der Stiftung. Umso wichtiger sei es, Belastungen frühzeitig wahrzunehmen und präventiv gegenzusteuern.

Im Mittelpunkt des Projekts steht deshalb die Ausbildung von Gesundheitsmentorinnen und -mentoren, die in ihren Orchestern als Ansprechpersonen wirken und Themen wie Körperwahrnehmung, Ergonomie, Gehörschutz, mentale Gesundheit oder Arbeitsschutz in den Probenalltag tragen. Der Ansatz ist ebenso einfach wie überzeugend: Gesundheit soll kein Randthema sein, sondern selbstverständlicher Bestandteil der Ensemblearbeit.

Oft sind es dabei schon kleine Maßnahmen, die eine große Wirkung entfalten können. Gemeinsame Aufwärmübungen vor der Probe, kurze Bewegungs- oder Entspannungseinheiten, regelmäßige Pausen oder bewusste Atemübungen helfen dabei, Belastungen vorzubeugen und das Wohlbefinden der Musizierenden zu stärken. Dabei gilt: Es gibt nicht den einen richtigen Weg zu einem gesunden Orchester. Jedes Ensemble hat andere Voraussetzungen, Bedürfnisse und Möglichkeiten. Entscheidend ist deshalb nicht Perfektion, sondern der erste Schritt. Gesundheitsförderung kann viele Facetten haben – wichtig ist, das Thema überhaupt in den Blick zu nehmen und dauerhaft mitzudenken.

Das Thema Gesundheit betrifft längst nicht nur professionelle Musikerinnen und Musiker. Auch im Amateurbereich können sich Belastungen über viele Jahre hinweg bemerkbar machen. Gerade deshalb lohnt es sich, frühzeitig auf Prävention zu setzen. „Prävention ist nie zu früh – und eigentlich auch nie zu spät“, so Eckl. Gerade deshalb sei es wichtig, Gesundheit nicht erst dann zum Thema zu machen, wenn Beschwerden auftreten. Vielmehr gehe es darum, von Anfang an die Grundlage dafür zu schaffen, dass Menschen möglichst lange mit Freude musizieren können.

Das Landes-Musik-Festival 2026: „Musik tut gut“

Wie aktuell und relevant das Thema ist, verdeutlichte auch das Landes-Musik-Festival am 20. Juni 2026 in Sinsheim, welches der Blasmusikverband Baden-Württemberg 2026 gemeinsam mit dem Landesmusikverband Baden-Württemberg veranstaltete. Unter dem Motto „Musik tut gut“ rückte das größte Amateurmusikfestival Baden-Württembergs die Verbindung von Musik und Gesundheit bewusst in den Mittelpunkt. Damit griff das Festival beide Seiten der Beziehung zwischen Musik und Gesundheit auf. Einerseits zeigte es, welche positive Wirkung Musik auf Menschen entfalten kann – für Gemeinschaft, Lebensfreude und Wohlbefinden. Andererseits beschäftigte es sich mit der Frage, wie Musizierende selbst gesund bleiben können.

Gemeinsam mit dem Freiburger Institut für Musikermedizin und unterstützt von der Stiftung für gesundheitliche Prävention Baden-Württemberg entstand ein vielfältiges Programm aus Vorträgen, Workshops und Mitmachangeboten. Themen wie Atem und Stimme, Körperhaltung beim Instrumentalspiel, Hörgesundheit, Entspannung oder Musik und Demenz machten deutlich, wie vielfältig die Berührungspunkte zwischen Musik und Gesundheit sind.

Dass das Thema einen Nerv trifft, zeigt die große Resonanz auf das Programm des Landes-Musik-Festivals. „Die Angebote wurden sehr gut angenommen“, berichtet Landesmusikdirektor Bruno Seitz. Die zahlreichen Anfragen und Rückmeldungen – auch von Verbänden – zeigen, dass die das Thema Gesundheit in der Amateurmusik zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Gesundheit stärken – Musik stärken

„Musik tut gut“ ist deshalb weit mehr als ein Festivalmotto. Es beschreibt nicht nur die positive Wirkung von Musik auf den Menschen, sondern erinnert auch daran, dass Musik ihre Kraft nur dann dauerhaft entfalten kann, wenn die Menschen, die sie machen, gesund bleiben. Wer die Gesundheit der Musizierenden stärkt, stärkt letztlich auch die Zukunft der Amateurmusik. Denn musikalische Qualität, Gemeinschaftserlebnis und Lebensfreude entstehen dort, wo Menschen langfristig mit Freude aktiv bleiben können. Gesundheit und Musik sind deshalb keine getrennten Themen. Sie gehören zusammen – und sie verdienen gemeinsam einen festen Platz im Bewusstsein unserer Vereine, Verbände und Ensembles. Denn am Ende gilt: Musik tut gut. Und gesundes Musizieren sorgt dafür, dass das auch so bleibt. ))

Blasmusik, Gesundheit, Orchestermusik
Musik tut gut – und Musizieren auch?
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