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FORTE September / Oktober 2026, Thema

Nachgefragt: Was macht meinen Musikverein zum Lieblingsort?

Sophia Haid
15. September 2026

Ein Musikverein ist weit mehr als ein Ort, an dem gemeinsam geprobt und musiziert wird. Für viele Menschen ist er ein Stück Heimat, ein soziales Netz, ein Ort für Freundschaften, gemeinsame Erlebnisse und persönliche Entwicklung. Und oft sind es gerade diejenigen, die sich besonders intensiv einbringen, die erfahren, wie viel von diesem Engagement auch zurückkommt.

Doch was macht einen Musikverein tatsächlich zum Lieblingsort? Sind es die besonderen musikalischen Momente, die Menschen, die Gemeinschaft – oder das Gefühl, mit dem eigenen Einsatz etwas bewegen zu können? Sechs Engagierte aus Vereinen und Verbänden erzählen, warum sie Verantwortung übernehmen, was sie dabei erleben und weshalb die Blasmusik für sie weit mehr ist als ein Hobby.

Rudolf Hämmerle

Verein / Verband: Kreisverband Ravensburg

Deine Rolle bzw. dein Engagement: Vorsitzender

Was hat dich dazu bewegt, dich so in deinem Verein/Kreisverband zu engagieren?

Als Kind wollte ich immer schon zur Blasmusik. Zuerst habe in meinem Heimatverein Taldorf Tenorhorn gelernt, dann bin ich auf die Posaune umgestiegen. Nachdem ich dann insgesamt 20 Jahre dirigiert habe, bin ich letztendlich bei der Tuba angekommen.

Alles was ich vom Vereinsleben vermittelt bekommen habe und die Menschen im Verein haben mein Leben sehr geprägt.
Das hat mir in vielen Situation sehr geholfen. Deshalb war es mir ein Bedürfnis, wieder etwas zurück geben zu können.

Was bekommst du durch dein Engagement zurück? Gibt es einen Moment oder eine Erfahrung, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Mir wird sehr viel Vertrauen geschenkt und die positive Resonanz auf unsere Vereinsarbeit gibt mir immer sehr viel Kraft. In vielen Momenten wie Konzerten und Festen genieße ich den Zusammenhalt und dies motiviert mich immer wieder aufs Neue.

Der Moment welcher mich am meisten berührte war, als ich einen Musikanten und Funktionär am Totenbett eine Ehrung übergeben durfte. Dies war einer der besonderen Momente und ein Zeugnis der Verbundenheit von einem Menschen zu seiner Blasmusik und seinem Verein.

Was würdest du vermissen, wenn du nicht mehr im Musikverein wärst?

Tatsächlich habe ich das aktive Spielen nach 45 Jahren aufgehört und pausiere gerade.
Ich vermisse die guten Gespräche nach der Probe, mein Dirigent würde sagen auch während
der Probe 😊, die Kameradschaft und die Vertrautheit welche über die Jahre entstanden ist.

Was macht deinen Musikverein zum Lieblingsort?

Die Menschen!

Jana Merz

Verein / Verband: Musikverein Ostdorf / Blasmusik Kreisverband Zollernalb

Deine Rolle bzw. dein Engagement: aktives Ausschussmitglied / Kreisverbandsjugendleiterin

Was hat dich dazu bewegt, dich so in deinem Verein/Kreisverband zu engagieren?

Ich bin im Vereins- und auch Verbandsleben aufgewachsen. Engagement ist für meine Familie schon immer eine Selbstverständlichkeit und so ist für mich schon immer klar: eine Gesellschaft ohne Vereine gibt es nicht. Deshalb ist es mir ein persönliches Anliegen mich für das Fortbestehen unserer Vereine einzusetzen. Ein wichtiger Baustein dabei ist und bleibt für mich die Jugendarbeit.

Was bekommst du durch dein Engagement zurück? Gibt es einen Moment oder eine Erfahrung, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Zum einen jede Menge Emotionen, hauptsächlich natürlich Freude. Ein Highlight sind jedes Jahr strahlende Augen nach musikalischen Erfolgen, z. B. bei unseren Jugendwertungsspielen.

Schön ist es auch, dass mir viel Dankbarkeit entgegen kommt. Und das von Menschen, die ebenfalls täglich dafür sorgen, dass unsere Vereine leben. Danke an euch! Was ihr leistet ist großartig!

Was würdest du vermissen, wenn du nicht mehr im Musikverein wärst?

Verbindungen und Freundschaften sowie die gemeinsamen Erlebnisse die damit einhergehen. Vom Heckenfest bis zur Konzertreise ins Ausland – man hat immer die richtigen Menschen dabei. Es treffen so viele verschiedene Charaktere aufeinander und das macht es besonders. Reden, lachen, diskutieren – jeder hat seinen Platz.

Was macht deinen Musikverein zum Lieblingsort?

Mein Musikverein gibt mir genau die Ablenkung von all dem Alltagschaos, die ich brauche. Diesen emotionalen Halt findet man selten.

Hans Dietz

Verein / Verband: Musikverein „Eintracht“ Roigheim

Deine Rolle bzw. dein Engagement: Ehrenvorsitzender, 75 Jahre aktiv im Musikverein

Was hat dich dazu bewegt, dich so in deinem Verein/Kreisverband zu engagieren?

Hans wollte als leidenschaftlicher Musiker, dass es in seinem Ort einen Musikverein gibt. Der Musikverein war aber vor 50 Jahren kurz vor der Auflösung. Das wollte Hans nicht zulassen Und entschied sich trotz, dass er als Landwirt eigentlich nicht so viel Zeit investieren kann, Die Verantwortung als Vorsitzender zu übernehmen. Mit sehr viel Erfolg.

Was bekommst du durch dein Engagement zurück? Gibt es einen Moment oder eine Erfahrung, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es hält mich jung, durch die vielen Kontakte mit jungen Menschen und die viele Anerkennung durch die Bürger in unserer Gemeinde.

Was würdest du vermissen, wenn du nicht mehr im Musikverein wärst?

Am meisten das musizieren an sich. Es macht mir einfach immer noch sehr viel Freude, außerdem die tolle Kameradschaft im Verein und jungen Menschen das Musizieren weitergeben.

Was macht deinen Musikverein zum Lieblingsort?

Dass wir gemeinsam musizieren für andere, dadurch anderen Freude bereiten und viele Veranstaltungen bereichern und gestalten. Ein Beispiel ist unser Musikfest, das Lindenfest, das durch Meine Idee entstanden ist und immer noch bei allen Einwohnern sehr beliebt ist.

Jürgen Schatz

Verein / Verband: Alphornbläser Baden-Württemberg

Deine Rolle bzw. dein Engagement: Vorsitzender

Was hat dich dazu bewegt, dich so in deinem Verein/Kreisverband zu engagieren?

Es war nicht meine Absicht, die Verbandsleitung zu übernehmen, da ich schon als Musikreferent für die Region Württemberg in Verantwortung stand. Aber eine Lösung war erforderlich, ein gutes Vorstandsteam vorhanden, deshalb stieg ich ein. Und bereits als Musikreferent hatte ich den Wunsch, dem Alphorn und der Alphornmusik mehr Gesicht zu verleihen, beides noch attraktiver und bekannter zu machen. Und im Team kann ich diesen Weg gehen.

Was bekommst du durch dein Engagement zurück? Gibt es einen Moment oder eine Erfahrung, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Vieles ist für viele Mitglieder der Alphornbläser Baden-Württemberg neu, so z. B. das Thema Wertungsspiel für Alphornbläser, jetzt die Vorbereitungen für den Wettbewerb zur Deutschen Meisterschaft, den wir vorbereiten. Wir haben einheitliche Alphorn-Literatur herausgegeben und dafür in den Bezirken des Verbandes jährlich bis zu acht Probentage eingeführt, was die Alphorn-Musizierenden – die es wollen – voranbringt. Und diese Angebote werden angenommen, werden wertgeschätzt. Die Entwicklung ist spürbar, wir gewinnen sehr junge Menschen für das Instrument und diese Art von Musik – und das gibt enorm viel zurück. Wenn wir dann bei Veranstaltungen wie dem jährlichen Alphornbläsertreffen Baden-Württemberg oder der Musikmesse BRAWO im Großchor auftreten, teilweise nahezu 100 Alphorn-Musizierende gemeinsam spielen – dann ist das mehr als Entschädigung, das gibt einen Flow.

Was würdest du vermissen, wenn du nicht mehr im Musikverein wärst?

Die Begegnung mit Menschen, die gemeinsam musizieren wollen. Da ich nicht nur im Verband der Alphornbläser aktiv bin, sondern bereits seit sehr langer Zeit auch Dirigent eines Musikvereins bin, kann ich das für beide Seiten bestätigen. Musik ist eine Sprache, die keiner Übersetzung bedarf und auch über Sprachbarrieren hinweg wirkt. Gerade in diesem Jahr feierte mein Musikverein Wald e. V. sein 160-jähriges Bestehen. Und hier hatten wir einen einzigartigen Gesamtchor – ca. 1.150 Musizierende aus ca. 35 Musikvereinen und 30 Alphorn-Musizierende intonierten gemeinsam den „Allgäuer Hirtenruf Nr. 2“ in einem Arrangement unseres Landemusikdirektors Bruno Seitz. Das war Gänsehaut pur – für die Musizierenden, die Zuhörenden und mich als Dirigenten. Solche Erlebnisse würde ich definitiv vermissen und die vielen Menschen, die das alles ehrenamtlich, selbstlos und aus Liebe zur Musik machen.

Was macht deinen Musikverein/Verband zum Lieblingsort?

Die Musizierenden – funktionierende Vorstandschaften – freiwillig engagierte Personen – und im Kern: die gemeinsame Musik als universelle Sprache.

Esther Kramer

Verein / Verband: MK Krauchenwies, SK Sigmaringen

Deine Rolle bzw. dein Engagement: Dirigentin, Instrumentalisten und Notenwart

Was hat dich dazu bewegt, dich so in deinem Verein/Kreisverband zu engagieren?

Ich selber durfte in einem Musikverein aufwachsen. Ich hatte das Glück, dass mein erster Dirigent eines Aktivvereines ein sehr guter, studierter Blasorchesterdirigent war mit dem ich von Anfang an auf einer Wellenlänge geschwommen bin. Durch ihn bin ich zum Dirigieren gekommen und mit ihm durfte ich meine ersten Dirigiererfahrungen sammeln. Ich dirigiere jetzt durchgängig seit ich 18 bin. Zunächst viele Jahre diverse Jugendorchester und seit 11 Jahren nun die MK Krauchenwies. Ein Verein ist eine Gemeinschaft, die nur funktioniert, wenn sich Menschen darin engagieren – das habe ich sehr früh kennen und schätzen gelernt.

Was bekommst du durch dein Engagement zurück? Gibt es einen Moment oder eine Erfahrung, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich habe durch mein Musizieren und meine Dirigatausbildung meinen Mann kennengelernt. Mein Leben wäre ohne mein stetiges musikalisches Engagement definitiv anders verlaufen. In meinen mittlerweile fast 25 Jahren dirigieren gab es immer wieder Momente, die mich geprägt haben und sich fest in meine Erinnerung geschrieben haben – meistens sind es aber die kleinen Zwischenmenschlichen Dinge und Gesten, die ganz tief verwurzelt sind und die musikalisches Engagement so wertvoll machen. Ich hoffe auch sehr, dass ich meinen Kindern diese Welt mitgeben kann und dass sie den Zusammenhalt eines Vereines irgendwann selber so zu schätzen wissen, wie ich.

Was würdest du vermissen, wenn du nicht mehr im Musikverein wärst?

Das Miteinander und die Musik.

Was macht deinen Musikverein zum Lieblingsort?

Als Dirigentin habe ich natürlich eine andere Rolle als einfach „nur Musikerin“ zu sein. Ich bin froh in einem Verein zu sein, in dem dieser Rollenunterschied aber gar nicht so groß ist und in dem ich – mittlerweile auch mit meiner ganzen Familie – willkommen bin. Egal in welchem Verein ich bisher, entweder als Instrumentalistin oder als Dirigentin, tätig war: ein Verein gibt mir Gemeinschaft und Zusammenhalt.

Ulrich Widmann

Verein / Verband: Früher: Jugendkapelle „Blaumännle“ (MV Blaubeuren), MV Seißen; aktuell: Kreisseniorenorchester Ulm Alb-Donau & Mitinitiator der BibA-Formation („Blasmusik im besten Alter“)

Meine Rolle: Mitinitiator, Organisator & leidenschaftlicher Flügelhornist

Was hat dich dazu bewegt, dich so in deinem Kreisverband bzw. für die BibA-Formation zu engagieren?

Vor über 60 Jahren habe ich auf dem Es-Horn begonnen, wechselte jedoch bald zum Flügelhorn und durfte über sechs Jahrzehnte hinweg tief in das Vereinsleben eintauchen – unter anderem war ich rund zwei Jahre lang Dirigent der Jugendkapelle Seißen. Nach einer musikalisch und beruflich bedingten Unterbrechung merkte ich, wie sehr mir das regelmäßige Spielen und die Gemeinschaft fehlten. Über das Kreisseniorenorchester und inspirierende Workshops – wie bei Ernst Hutter Ende 2024 – packte mich der Ehrgeiz noch einmal völlig neu.

Aus einem spontanen Impuls heraus entstand nach diesem Seminar der Wunsch der beteiligten Musiker, als bunt gemischter Haufen weiterzumachen. Daraus entwickelte sich die BibA-Formation (Blasmusik im besten Alter). Als Mitinitiator habe ich mich in die Organisation gestürzt: Zusammen mit dem BVBW und der Bläserakademie Plochingen haben wir ein Format geschaffen, bei dem bis zu 40 Musikerinnen und Musiker auf hohem Niveau und mit großer Begeisterung böhmische Blasmusik machen. Dieses Engagement erfordert viel Zeit und Geduld, aber zu sehen, wie aus einer Idee eine lebendige, nachhaltige Gemeinschaft entsteht, entschädigt für jeden Aufwand.

Was bekommst du durch dein Engagement zurück? Gibt es einen Moment, der dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es ist das Gesamtpaket: die intensiven Proben, das gesellige Beisammensein danach, die Dankbarkeit der Mitmusiker, die Begeisterung bei den Auftritten und die Rückmeldungen aus dem Publikum. Man bekommt neue Impulse und lernt fortwährend dazu.

Ein absolutes Highlight war unser erstes selbst organisiertes BibA-Seminar in Plochingen inklusive unseres ersten Auftritts auf der BRAWO. Zudem machten wir Aufnahmen bei unseren Proben. Wenn ich mir diese Aufnahmen heute anhöre, macht mich das stolz und zeigt, was man mit Herzblut und guter Zusammenarbeit – auch dank der tollen Unterstützung durch den BVBW – auf die Beine stellen kann.

Was würdest du vermissen, wenn du nicht mehr aktiv Blasmusik machen würdest?

Obwohl ich mit meiner Familie und meinen Enkeln wunderbar ausgefüllt bin: Ohne die Musik würde mir etwas Entscheidendes fehlen. Es sind die Menschen, das gemeinsame Hinarbeiten auf ein Ziel, das Lachen in den Proben und das Kribbeln vor den Auftritten. Die Blasmusik hält jung und verbindet die Menschen – es entstehen immer wieder neue Bekanntschaften und Freundschaften.

Was macht die Orte, an denen du Musik machst, für dich zu einem „Lieblingsort“?

Für mich ist ein Lieblingsort nicht an eine bestimmte Lokalität gebunden. Ich bin genauso gerne zu Hause bei meiner Frau oder unterwegs beim Wandern und Radfahren. Ein musikalischer Lieblingsort entsteht für mich überall dort, wo Menschen zusammenkommen, die die gleiche Leidenschaft teilen, wo Wertschätzung spürbar ist und wo gemeinsam Musik gemacht wird – egal ob im Heimatverein, im Seniorenorchester oder wenn ich in Nachbarvereinen aushelfen darf. Wo Musik ist und das Miteinander stimmt, da fühle ich mich wohl.

Lieblingsort ist, wo Menschen zusammenkommen

So unterschiedlich die persönlichen Geschichten und Funktionen sind, ziehen sich einige Gedanken durch alle Antworten: Es sind die Menschen, das gemeinsame Musizieren und das Gefühl, miteinander etwas zu schaffen, die den Verein besonders machen. Engagement kostet Zeit und Energie – zugleich bringt es Begegnungen, Anerkennung, Freundschaften und Erfahrungen hervor, die weit über die nächste Probe oder das nächste Konzert hinausreichen.

Und vielleicht braucht ein Lieblingsort deshalb gar keine bestimmte Adresse. Er entsteht überall dort, wo Menschen ihre Leidenschaft teilen, füreinander Verantwortung übernehmen und sich willkommen fühlen. Genau darin liegt eine der großen Stärken unserer Musikvereine: Sie schaffen Orte, an denen Musik verbindet – und aus gemeinsam verbrachter Zeit Gemeinschaft wird.

Amateurmusik, Verband, Verein, Vereinsentwicklung
Nachgefragt: Was macht meinen Musikverein zum Lieblingsort?
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