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FORTE Januar / Februar 2026, Thema

Das Fundament kultureller und gesellschaftlicher Zukunft

Bruno Seitz
20. Januar 2026
Bild: Freepik.com

Wenn Kassen knapper werden, gerät Kultur schnell unter Rechtfertigungsdruck. Warum musisch-kulturelle Bildung kein verzichtbarer Luxus ist, sondern Grundlage von Persönlichkeit, Gemeinschaft und demokratischem Zusammenhalt – und weshalb gerade die Amateurmusik hier eine Schlüsselrolle spielt.

Kultur unter Rechtfertigungsdruck

Jeden Tag liest man neue Schlagzeilen über knappe Kassen in Bund, Land und Kommunen. Wenn finanzielle Spielräume schrumpfen – auf institutioneller Ebene ebenso wie in immer mehr privaten Haushalten – steht die Förderung von Kultur häufig als Erstes zur Disposition. Da sie vielfach als „freiwillige Leistung“ gilt, wird sie schnell in Frage gestellt, Fördermittel werden gekürzt, Projekte vertagt oder ganz gestrichen.

Diese Entwicklung offenbart ein tiefgreifendes gesellschaftliches Missverständnis: Die Förderung des unschätzbaren, immateriellen Wertes kultureller Bildung wird oft als fakultative Aufgabe gesehen – neudeutsch: nice to have – und im Falle klammer Kassen kurzfristig ge-
opfert.

Besonders unverzichtbar ist in solchen Zeiten jedoch das klare Bekenntnis zur musisch-kulturellen Bildung, insbesondere in Musik und Kunst. Sie ist kein luxuriöser Zusatz, den man sich nur in guten Zeiten leistet. Sie ist Ausdruck eines humanistischen Menschenbildes, Grundlage von Identität, gesellschaftlichem Zusammenhalt und demokratischer Teilhabe. Dieses Bewusstsein muss deutlichst, sichtbar und entschlossen verteidigt werden!

Nahrung für Kopf, Herz und Persönlichkeit

Musikalische Bildung ist weit mehr als das Erlernen von Noten oder technischen Fertigkeiten. Sie hat Einfluss auf den Menschen in seiner Gesamtheit. Schon im Kindes- und Jugendalter fördert aktives Musizieren Konzentration, Ausdauer, Feinmotorik und schult das Hörvermögen. Vor allem aber schafft Musik Zugang zu Gefühlen und inneren Erlebniswelten. Sie öffnet für eigene Gefühle, stärkt Kreativität und Selbstvertrauen. Zahlreiche Studien belegen zudem ihre positive Wirkung auf Sprache, Denken und kognitive Entwicklung. Musik bildet – weit über den Konzertsaal hinaus. Sie wirkt prägend auf die Persönlichkeit, eröffnet neue Blickwinkel und begleitet Menschen als verlässliche Ressource durch alle Lebensphasen.

Gemeinschaft erleben – gemeinschaftlich musizieren

Besondere Kraft entfaltet Musik dort, wo sie gemeinsam entsteht. In Orchestern, Chören und Ensembles wird Gemeinschaft nicht theoretisch erklärt, sondern praktisch erlebt. Jede Stimme zählt. Jeder Einzelne trägt Verantwortung für das Ganze. Verlässlichkeit, gegenseitige Rücksichtnahme und Zusammenarbeit werden hier selbstverständlich gelebt. In einer Zeit zunehmender Individualisierung sind diese Erfahrungen von unschätzbarem Wert. Gemeinschaftliches Musizieren ist ein sozialer Lernraum, in dem Zusammenhalt wächst und soziale Kompetenzen selbstverständlich vermittelt werden.

Amateurmusik – Klang gewordene Heimat

Amateurmusikvereinigungen, etwa Blasorchester, prägen seit Generationen das kulturelle Gesicht unserer Städte und Gemeinden – besonders im ländlichen Raum. Sie begleiten Feste, kirchliche Feiern und gesellschaftliche Höhepunkte. Ihr Klang ist für viele Menschen untrennbar mit Heimat, Erinnerung und Gemeinschaft verbunden. Musikalische Bildung ist dabei der Schlüssel zur Zukunft dieser Ensembles. Ohne Nachwuchs, ohne Ausbildung, ohne Förderung droht der Verlust gewachsener kultureller Strukturen – und damit ein Stück gelebter Identität.

Vereine als Herzstücke musikalischer Bildung

Amateurmusikvereine sind weit mehr als Freizeitgemeinschaften. Sie sind zentrale Bildungsakteure. Oft sind sie – in Zusammenarbeit mit Musikschulen und allgemeinbildenden Schulen – die ersten und dauerhaftesten Orte musikalischer Bildung außerhalb formaler Bildungssysteme. Getragen von großem ehrenamtlichem Engagement ermöglichen sie Instrumentalunterricht, Ensemblearbeit und einen niedrigschwelligen Zugang zur Musik für alle. Kooperationen mit Schulen, Kindertagesstätten und Musikschulen zeigen eindrucksvoll, wie gemeinsame Verantwortung für kulturelle Bildung gelingen kann.

Herausforderungen annehmen – Verantwortung übernehmen

Veränderte Freizeitgewohnheiten, demografischer Wandel und die wachsende Konkurrenz um Aufmerksamkeit stellen musikalische Bildung vor große Herausforderungen. Doch genau deshalb darf ihr Wert nicht relativiert werden und benötigt Unterstützung. Musikalische Bildung ist eine langfristige Investition – in Menschen, Gemeinschaft und Zukunft. Sie formt nicht nur Musikerinnen und Musiker, sondern kreative, gemeinschaftsfähige und verantwortungsbewusste Persönlichkeiten. Menschen, die zuhören können, sich einbringen und Verantwortung übernehmen – Eigenschaften, die für unsere Gesellschaft wichtiger sind denn je.

Institutionelle Bildungsarbeit als tragendes Fundament

Die Amateurmusik, vertreten beispielsweise durch den Blasmusikverband Baden-Württemberg, steht exemplarisch für ein umfassendes Bildungsverständnis. Durch qualifizierte Aus- und Fortbildung, konsequente Nachwuchsförderung und Qualitätssicherung stärkt sie nicht nur die Musikszene, sondern das kulturelle Leben insgesamt. Musikalische Bildung gilt hier nicht als entbehrlicher Luxus, sondern als Fundament und Säule einer lebendigen, unverzichtbaren kulturellen Infrastruktur.

Musik alsAusdruck des Menschseins

Aus kulturphilosophischer Sicht sind Musik und Kunst keine schmückenden Zugaben des Lebens, sondern eine seiner zentralen, elementaren Ausdrucksformen. Wer kulturelle Bildung stärkt, bekennt sich zu einem Menschenbild, das den Menschen in seiner Ganzheit ernst nimmt. Große Projekte, kreative, neue Formate und spartenübergreifende Kooperationen zeigen die Strahlkraft musikalischer Bildung eindrucksvoll: Sie fördern Ehrenamt, stiften Identifikation und stärken das kulturelle Ansehen von Kommunen weit über ihre Grenzen hinaus.

Fazit

Wer in musikalische Bildung investiert, gestaltet die Zukunft unserer Gesellschaft aktiv mit! Die Förderung musikalischer Bildung darf keine Kostenfrage darstellen, sondern ist immer eine Frage von Erkenntnis ihrer Bedeutung, eines gemeinsamen Wertebewusstsein und – Haltung. Sie ist eine Investition in Lebensqualität, kulturelle Identität, Familienfreundlichkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie stärkt demokratische Strukturen und schafft lebendige kulturelle Räume. Wer musische Bildung fördert, stärkt den Menschen – und damit das Fundament einer lebendigen Kommune und einer zukunftsfähigen Gesellschaft.

Brno Seitz

Bild: BVBW

Bruno Seitz Ist Landesmusikdirektor des Blasmusikverbandes Baden-Württemberg, Vizepräsident des Landesmusikrates und stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen BW. Als diplomierter Orchestermusiker und Diplommusikerzieher leitet er die Musikschule Metzingen. Seit über 30 Jahren ist er außerdem musikalischer Leiter der Stadtkapelle Metzingen und dirigiert darüberhinaus noch weitere Ensembles und Orchester.

Amateurmusik, Verein, Vereinsentwicklung
Das Fundament kultureller und gesellschaftlicher Zukunft
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